Dienstag, 16. November 2010

Raglan

Nach unserer Nacht im Backpacker de luxe checke ich morgens meine Mails - und habe den ganzen Tag ueber gute Laune. Von neun Nachrichten sind sieben persoenliche. Ich grinse von einem Ohr zum anderen und schwelge die gesamten 50 km nach Auckland in dem guten Gefuehl, so viele liebe Menschen Familie und Freunde nennen zu koennen.
In Auckland setzen wir unsere beiden Mitreisenden ab und machen uns aus dem Staub. Schnell weg aus der Grossstadt! Nach dem obligatorischen Kaffeestopp in einem winzigen Oertchen und einem noch viel winzigeren Cafē mit angrenzender Galerie und verbotem guten Karamel-Schoko-Kuchen geht es weiter.

Kaffeeklatsch = Kaffeequatsch
Aehnlichkeit? Ach wo... ;-)
Ab Tuarau fahren wir ueber Land, eine sehr gute Entscheidung, wie sich zeigen wird. Ve unterrichtet mich in den Grundlagen der Landwirtschaft und ich sie in den Sehenswuerdigkeiten des sogenannten King Country's, durch das sich unser blauer Kombi schlaengelt. Der Umweg, den wir fuer die Bridal Veil Falls in Kauf nehmen, lohnt sich allemal. Mein fuenfter Wasserfall in Neuseeland mit fuenfundfuenfzig Metern Hoehe ist ein echtes Highlight! 

"Queen Country"
Ve am Aussichtspunkt
Bridal Veil Falls
Den Kuestenort Raglan regieren die (vermeintlich) gutaussehenden Surferboys. Unser Hostel ist eine echte Wohlfuehloase. Wir lassen uns nicht zwei Mal bitten, in den beheizten backpackereigenen Spa-Pool zu huepfen und ein wenig mitzuplanschen. Was fuer eine angenehme Waerme! Abends wird es im Moment noch relativ kalt, der Fruehling kaempft gegen den hartnaeckigen Nacht"frost". Wir machen uns im DVD-Raum den Heizluefter an und schauen "Into the Wild". Ich denke darueber nach, dass die meisten Backpacker zwar wenig Geld und genug Phantasie haben, um sich solch ein Einsiedlerleben zu ertraeumen, aber wenig Mut und immer noch genug Geld, um es zu verwirklichen. Neuseeland ist eben nicht Alaska. Dennoch sehr reizvoll, wie ich finde.

ein Wolkenkunstwerk

Am neachsten Tag kuemmere ich mich um meine Waesche und mein Image. Mit dem richtigen Surferoutfit geht es an die Manu Bay - der Bucht zum Wellenreiten. Leider schwimmen die Surferboys heute lieber im Pool als im Meer, bei Nieselregen und grauem Himmel fehlt wohl die Motivation. Mit ein paar Leuten aus dem Hostel schnappen wir uns daher die Mountainbikes, radeln zum Tennisplatz und schlagen ein paar arme Baelle. Mein Match gegen den Philosophen, Kunststudenten und Hobbyextremsportler Dejan artet in einen erbitterten Kampf aus. Das Verlierer- bzw. Gewinneressen kocht Dejan nach einem Rezept seiner Oma. Es gibt slawische Pancakes. Nach sechs hauchduennen Pfannkuchen koennen wir nicht mehr (anders) und vertragen uns wieder. Die heutige Seite in meinem Reisetagebuch schmueckt eine Kugelschreiberzeichnung von einer ehrgeizigen Tennisspielerin und einem fachsimpelnden Slawen.

Sonntag, 14. November 2010

On the Road, Richtung Sueden

Ve und ich starten frueh, wir wollen heute viele Kilometer machen. Im Gepaeck: ein Paerchen aus Estland, das so lange mitfaehrt, wie unser Spritgeld reicht. In Dargaville trinken wir Milchschaum mit Kaffee- bzw. Kakaogeschmack. Karol und Kairi teilen sich die erste gemeinsame Mahlzeit des Tages, eine Pizza Hawai. Liebe geht durch zwei Maegen. 
In Matakohe besuchen Ve und ich das sehr schoen gestaltete Maurimuseum. Die "Hitchhiker" (Mitfahrer) bewachen derweil ihr Geld und unser Auto. Nach zweieinhalb Stunden Holz, Holz und nochmal Holz bin ich museumsmuede und wir setzen unseren Roadtrip fort. Bevor wir an unseren Tagesziel Helensville ankommen, machen wir einen kurzen Wasserfallstopp. Aus Freuen wird Springen wird Fotografieren. Aus Mitfahrern werden Verbuendete werden Facebook-Freunde. 

Kairi, Ve, Karol und ich

Puroi Falls

Unser Hostel schmueckt sich zwar nicht mit dem BBH-Symbol (Budget Backpacker Hostel), dafuer aber mit fremden Fahnen. Leider finden wir an den Masten vor der Eingangstuer weder die deutsche, noch die estlaendische Flagge... Wir bezahlen 27$ (Hoechstpreis bisher) und kochen in der Luxuskueche unsere Lowbudget-Pasta. Mit vollem Bauch lacht es sich erstaunlich gut und so "schnacken" wir bis zur Sperrstunde um 23 Uhr.

Opononi/Omapere

Von Paihia aus nehme ich den Ueberlandbus in Richtung Westkueste. Neben mir sitzt die kleine Japanerin Yuka, die ich im Hostel kennengelernt habe. Waehrend draussen Wiesen, Huegelchen und ein paar vertsreute Kuehe vorbeifliegen, faellt drinnen von Zeit zu Zeit ein huebsches, schwarz gerahmtes Gesicht auf die Seite. Busfahren macht offenbar nicht nur mich muede.

Das Hostel im Ompere ist ein echter Volltreffer. Richtung gemuetlich, mit Haengematte im Garten. Kaum angekommen und eingecheckt, baumele ich schon von links nach rechts und wieder zurueck. Nach einer Stunde schaukeligem Doesen schwinge ich mich auf und laufe zum Aussichtspunkt des Hokianga Harbours. Mit Blick auf eine grosse Sandduene im Hintergrund wandert mein Ohr zu einem deutschen (und noch dazu norddeutschen) Akzent im Vordergrund. Ich treffe auf zwei freundliche Augen und ein freches Mundwerk, eine gute Mischung, finde ich. Ve ist "Bauer", genauso wie Jeannette "Koch" ist. Ve ist mit Manuela unterwegs, einer etwas lahmen Oesterreicherin. Ich nehme die beiden mit runter an den Strand und sie nehmen mich im Anschluss mit zum Tane Mahuta, dem hoechsten aller Kauri-Baeume in Neuseeland. Sein Papa ist noch ein bisschen dicker, 16 m Umfang.


Maedchen moegen rosa

Hokianga Harbour

Felsformation

am Strand
Four Sisters: Kauri-Baeume

Auf dem Rueckweg zum Hostel freue ich mich die ganze Zeit auf die Haengematte und mein Buch. Ebenfalls eine sehr gute Mischung. Als es trotz zweier Fliespullover kalt wird, setze ich mich ins Wohnzimmer und streichele die Katze. Aus den Lautsprecherboxen der Hifi-Anlage saeuselt lauschige Wohlfuehlgitarrenmusik. Was fuer ein schoener Tag.


Mein Lieblingsplatz
Am naechsten Morgen fahre ich mit Ve (ja, sie hat ein Auto!) zum Ausgangspunkt fuer eine kurze Wanderung. Weil es nachts geregnet hat, ist der Weg schlammig und rutschig. Wir kaempfen uns durch den Matsch und spielen nebenbei das Kennenlernspiel.
Nachmittags lassen wir uns ein wenig Sand ins Gesicht wehen, als wir am Suedende der riesigen Lagune in die Sonne blinzeln. Dann teilen wir uns eine Portion Fish & Chips und verb(a)um(m)eln den Rest des Tages - na klar -  in der Haengematte. Als die Sonne untergeht, kann man am Rand der Wolke ein helles Gluehen erkennen. Ich schwelge in Kindheitserinnerungen.

Mama & Papa: "Die Engel backen Plaetzchen"

Mittwoch, 10. November 2010

Paihia, Bay of Islands

Paihia ist ein Partyort fuer Backpacker. Und Paihia ist ein Ferienort fuer Neuseelaender. Ergo: Full house, selbst in der Vorsaison. Ich entscheide mich (trotz imaginaerer Schmaehungen durch die Lonely-Planet-Autoren) gegen einen Bootstrip zu einer der 200 Inselchen. Das Wetter gibt nicht wirklich was her und ich habe keine Lust, mich zu etwas zu zwingen, worauf ich im Moment keine Lust habe. 

Anstattdessen schnappe ich mir Leonie und wir starten eine kurze Wanderung zu den Haruru Falls. Da die Kleine ein gutes Tempo vorlegt, erreichen wir schon nach zwei Stunden die hufeisenfoermigen Wasserfaelle. Zurueck nehmen wir die naechste "Mitfahrgelegenheit".

Weg durch die Mangroven

Albernheiten

Baumbegegnung

Wasserfall

Am Nachmittag setzen wir mit der Faehre nach Russel ueber. Hier leben in den Sommermonaten die reicheren und vor allem betagteren Neuseelaender. Einerseits erinnert die Bauweise der Haeuser an amerikanische Kleinstadtsiedlungen, andererseits ist hier alles weniger schematisch angeordnet. Die "baches" (Ferienhaeuschen, urspruenglich Huetten) druecken sich an die steilen Haenge und protzen mit prachtvollen Gaerten. Eigentlich wollen wir nach der vielen Lauferei einen Kaffee trinken, aber natuerlich haben um 18 Uhr alle Cafes und Bistros geschlossen. Nur das "Nationalgericht" Fish & Chips ist verfuegbar. Nein, danke.

was fuer ein Himmel ueber Russel!

Blumen, Boote und Bacardifeeling.

Mosaik hautnah
Nachdem Jeannette und ich abends in der Bar gegenueber ein ueberteuertes Bier getrunken und der einheimischen Rockband gelauscht haben, gehen um 23 Uhr die Lichter aus - und wir gehen ins Bett. So brav war ich das letzte Mal mit 12.

Sonntag, 7. November 2010

Der hohe Norden

Nach meinem verunglueckten Aufenthalt in Whangarei nehme ich am Dienstag gemeinsam mit Leonie, die ich im Hostel kennengelernt habe, den Bus nach Paihia. Dort warten Jeannette und mein Portomonnaie auf mich, ein schoenes Gefuehl. Wir laufen ein wenig durch das tuerkisfarbene Oertchen und mieten dann gemeinsam mit zwei anderen Backpackerinnen ein Auto fuer den naechsten Tag.

Nina & Leonie in Paihia

Farbenspiel: Bay of Islands

Um 8 Uhr nehmen wir den Mietwagen entgegen. Ich bin positiv ueberrascht: ein richtig geraeumiger Kombi, Platz fuer fuenf Personen plus Gepaeck. Leider nur vier Anschnallgurte. Damit nimmt man es hier nicht so genau. Der Vermieter wirft ein Blick auf unsere grau-blauen Lappen und gibt uns freie Fahrt. Wenn das mal so einfach waere. Dieses Mal stehen wir nicht nur vor der Herausforderung "Linksverkehr", sondern auch vor voellig neuen Vorfahrtsregeln (auf der Insel mussten wir schliesslich nie an einer Kreuzung abbiegen). Dass der Rechtsabbiegende dem Linksabbiegenden Vorfahrt gewaehren soll, erscheint uns doch ein wenig verkehrsbehindernd. 
Mit 100 km/h brettern wir ueber die Landstrasse in Richtung Norden. Wir wollen vor den Touribussen am Cape Reinga, dem heiligsten aller Maoriorte, sein. Auf dem Weg nach oben begegnen uns Kuehe, Schafe, ein paar Campervans und ganz ganz viele Farben: grasgruen, sonnengelb, ein tupfiges Orange, ein kupfiges Rot, und das schoenste Himmelblau, das man sich vorstellen kann. Wir holen unseren Pinsel raus und malen ein paar weisse Woelkchen dazu.

Jeannette am Steuer unseres Mietwagens

Reisegruppe zum Kap: Nina, Corina, nochmal Nina, Jeannette & Leonie

Lonely Rider

Am Kap pustet der Wind dann auch noch ein herbstiges Grau dazu, das muss ja nun nicht sein. Wir lassen uns in Richtung Leuchtturm wehen und stellen uns vor, wie an dieser Stelle, an der sich die tasmanische See und der Pazifik einen Schaumkuss geben, die Seelen der verstorbenen Maoris ihre Reise antreten. Als eine Wellte von Northfacejacken und Deuterrucksaecken anrollt, machen wir uns auf den Rueckweg. Jetzt lassen wir uns Zeit und nehmen ein paar Augen- und Linsenblicke mehr mit.

Cape Reinga mit Sandduene im Hintergrund

Weite

Reisebegleiter

menschlicher Wegweiser

Leuchtturm am Cape Reinga

Ueber eine Schotterpiste geht es 10km zum 90 Miles Beach. Die Touranbieter nuzten dieses breite Sandstueck als Autobahn - damit sich die deutschen Urlauber wie zu Hause fuehlen. Wir laufen lieber zu Fuss, zum Glueck ist heute kaum "Verkehr". Wir machen ein paar "unendlichweit-Fotos", surfen auf den Sandduenen und beobachten Moewen, Muscheln und mee(h)r. Nach einer grossen Portion Sand gibt es jetzt Jeannettes Powerriegel zwischen die Zaehne. Die suessen Riegel schmecken nach (Zitat Jeannette) "Sommer im Freibad".

Sandduene

unendlich weit

90 Miles Beach

Unser letzter Programmpunkt ist die Doubtless-Bay. Wir erreichen die riesige Bucht ueber die Kerikeri-Halbinsel und entdecken einen niedlichen kleinen Badestrand, die Matai Bay. Trotz einer Wassertemperatur fuer Optimisten laufen Jeannette und ich ins Meer und schlottern um die Wette. Zusammen macht Alleinsein richtig Spass!

Samstag, 6. November 2010

O wei o wei, Whangarei

Weil wir so schnell wie moeglich wieder aus Auckland rauswollen, nehmen wir den ersten Bus in Richtung Norden. Ich steige in Whangarei aus, der einzigen groesseren Stadt im Norden, Jeannette faehrt weiter zum Ferienort Paihia in der Bay of Islands. Ich verschlafe den Grossteil der Fahrt und falle dreieinhalb Stunden spaeter verschlafen aus dem Bus. Als ich im Hostel fuer die Nacht bezahlen will, faellt mir auf, dass mir mein Portemonnaie aus der Tasche gerutscht ist. Zum Glueck liegt es im Bus neben Jeannette. Sie gibt mir meine Kredit- und EC-Kartennummern per Handy durch. Auf meinem neuseelaendischen Konto habe ich gerade mal 19$. 2 davon investiere ich in eine Online-Ueberweisung, 14 gebe ich fuer ein Abendessen und Fruehstuekc fuer den naechsten Tag aus - und schon bin ich arm. Das geht aber schnell!
Ich will mir meinen Start im Norden Neuseelands nicht verderben lassen und schaue mir Whangarei an. Vielmehr schaue ich mir dunkle Schaufenster und leere Strassen an. Die Laeden (selbst McDonalds) schliessen hier alle spaetestens um 18 Uhr. Noch nicht mal mein Lowbudget-Abendessen schmeckt mir.


Entdeckt: Segelboote fuer Julia!

Entdeckt: Patchwork-Topflappen fuer Mama!


Am naechsten Tag stehe ich frueh auf, um auf dem Hatea River Walk zu den Whangarei Falls zu wandern. Die Beschilderung ist so dermassen schlecht, dass ich mich prompt verlaufe und ein ganzes Stueck an einer befahrenen Strasse zurueck laufen muss. Abgesehen davon ist der Track an sich auch nicht besonders aufregend. Ich habe Durst, aber kaum noch etwas zu trinken. Das Leitungswasser schmeckt, als wuerde man es aus einem mallorquinischen Pool abpumpen. Um Wasser zu kaufen, reicht mein Geld nicht mehr. Meine Laune ist auf dem Tiefpunkt. Alles doof, doof. Ich bin so frustriert, dass ich ploetzlich voellig verdutzt vor dem Wasserfall stehe. Ein kurzes Hochgefuehl durchstroemt mich. 26m struerzt das Wasser hier in die Tiefe. Sicher nicht die hoechsten Wasserfaelle Neuseelands, aber trotzdem beeindruckend.

Auf der Haengebruecke beim Wasserfall

Whangarei Falls


Gleich danach wieder Frust: Den Bus zurueck in die Stadt kann ich mir nicht leisten, den unspektakulaeren Track will ich aber auch nicht unbedingt zuruecklaufen. Ich fuehle mich kaputt und ausgedoerrt.
Dann kommen sie: meine Prinzen, gleich sechs Stueck an der Zahl. In einem weissen Van fahren sie vor und bieten mir eine Mitfahrgelegenheit nach Downtown an. Die Jungs sind Gaertner und haben gerade Mittagspause. Ich bekomme klebrige Zuckerwatte und einen "free ride" zum Aussichtspunkt der Stadt. Man amuesiert sich koestlich ueber meine finanzielle Unpaesslichkeit und eventuelle Moeglichkeiten, an Geld zu kommen. Eine Idee wird direkt in die Tat umgesetzt. Der Chef der Truppe zieht am Automaten Geld und schenkt mir 10$, einfach so. Die Jungs haben mir den Tag gerettet. 

Von da an geht es bergauf. Ich schaue mir eine Ausstellung und die Bibliothek an, das nationale Uhrenmuseum, einige Laedchen, die im Reisefueher gelobt werden, und ich kaufe mir grosszuegig eine heisse Schokolade. Sogar mein Geld ist inzwischen auf dem Kiwi-Konto angekommen. Ich bin von einen auf den anderen Moment reich. Auf dem Rueckweg hole ich mir eine Pizza und setze mich damit in einen der oeffentlichen Parks. Zurueck im Hostel kann ich zwar endlich die Uebernachtung bezahlen, dafuer muss ich aber leider feststellen, dass ich meinen USB-Stick mit den Fotos aus Auckland und von Great Barrier in irgendeinem PC vergessen habe. O wei o wei. Insgesamt also eher ein Reinfall, mein Trip nach Whangarei.

Moderne Maorikunst
meine Stimmung: as you see...
Die Aehnlichkeit ist wohl kaum zu leugnen.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Randnotiz

Bereits nach knapp zwei Wochen haben sich einige Dinge, die mir mit auf den Weg gegeben wurden, als besonders wahr oder besonders nuetzlich herausgestellt:

- Ein Kompass: Gold wert. (Ein goldener Kompass:  nicht mehr wert)
- eine Dynamo-Taschenlampe: auf einer Insel ohne Strassenbeleuchtung unersetzlich.
- "Was man hat im Magen, braucht man nicht zu tragen": gilt auf laengeren Wanderungen zwar eher fuer Butterbrote als fuer Trinkwasser, dennoch sorgt ein kesser Spruch zur richtigen Zeit fuer grosse Unterhaltung.
- eine kleine Klemmleselampe: entspannungs- (man koennte auch sagen: faulheits-)foerdernd, wenn man in einem Stockbett schlaeft und zum Lichtschalter runterklettern muesste.
- "Das Passieren passiert von ganz allein": stimmt!
- schnelltrocknendes Flieshandtuch: fuer kurzentschlossene Warmduscher
- Wanderhose: ebenfalls schnell trocknend und laengenverstellbar. Bei dem wechselhaften Wetter in Neuseeland ziemlich praktisch.
- "Wer weiss, wofuer es gut ist": Danke, liebes DOC, und danke, liebe Hanni!

- ein Kalender, ein Adressbuch: "Please give me a call, when you come along". Potentielle Arbeitgeber oder Gasteltern stets warmhalten!
- ein Notizbuch\Reisetagebuch: erleichtert das schnelle Posten von Blogeintraegen bei hohen Internetgebuehren (nur noch abtippen).
- eine Hostelempfehlung: geht doch nichts ueber Mundpropaganda.
- "Es wird schon alles werden": es wird!

An alle, die sich jetzt angesprochen fuehlen: DANKE! Ich denke an euch! An alle anderen, die ich jetzt vergessen habe: DANKE! Ich werd an euch denken!

Great Barrier Island

Um 5 Uhr morgens holt uns das Taxi beim Hostel ab. Um diese Zeit fahren noch keine Busse runter zum Hafen. Wir werfen unsere Rucksaecke und eine grosse Tasche mit Lebensmittelvorraeten in den Kofferraum. Auf der Insel wird alles noch teurer sein als ohnehin schon. Unser Fahrer spricht nur gebrochenes Englisch und kann mit dem Wort "Harbour" nichts anfangen. Nach einigen fehlgeschlagenen Erklaerungsversuchen werden wir nervoes und holen unseren Stadtplan raus. Mit viel Glueck kommen wir tatsaechlich eine halbe Stunde spaeter am Faehrhafen an. Der Fahrer wirkt fast beleidigt, dass wir ihm nicht mehr zugetraut haben.
Unser Plausch mit den drei anderen Passagieren wird von einer Lautsprecherdruchsage unterbrochen. Wir sollen uns alle auf der Backbordseite versammeln. Eine Rettungsuebung? Nein. Viel spannender. Zuerst sehen wir eine Fontaene. Dann eine grosse Flosse. Whalewatching for free - wir freuen uns ein Loch in den Bauch.
Jeannette und ich auf der Faehre


Walfontaene

Nach viereinhalb Stunden erreichen wir die Anlegestelle. Wir haben auf ein Infocenter gehofft, weigstens eine Bushaltstelle. Nichts. "No busses today", ruft uns der Kapitaen nach. Dafuer organisiert er unsere erste Mitfahrgelegenheit. Dave laedt unser Gepaeck auf die Ladeflaeche seines Pickups und setzt uns vor dem Medlands Beach Backpackers ab. An einer kleinen Bucht auf dem Weg dorthin macht er einen kleinen Stopp. Ganz nah am Strand tummeln sich Delphine. Wir sind entzueckt und voellig sprachlos. 


Gluecklich nach Wal- und Delphinsichtung
Im Hostel wohnt ausser uns nur noch ein anderer Inselbesucher: Graham. Unsere "Gasteltern" Robin und Malcom zeigen uns den Hof: ein paar Huehner, ein kleines Gemuesebeet, Regenwassertank und Solarpanelen. Der Strand ist fast direkt vor der Haustuer. Und das beste: wir haben ihn nur fuer uns.
Am Hausstrand

Neuseeland 2010

natuerlicher Pool mit Meerblick

Pool und endloser Sandstrand

Doesen am Strand

Am naechsten Tag sind wir gewungen, das erste Mal zu "hitchhiken", also per Anhalter zu fahren. Auch heute fahren Busse nur auf Bestellung. Auf dem Hinweg zu dem Ausgangspunkt fuer eine Tageswanderung fahren wir in drei Etappen. Jedes Mal ist der rausgestreckte Daumen ein bisschen weniger angespannt. Da auf der Insel nur etwa 700 Leute wohnen, kuemmert sich jeder um jeden - sogar um die Backpacker. 
im Truck auf dem Weg zum Track

Der Palmers Track fuehrt uns vom "Windy Canyon" rauf zum Gipfel des Mt. Hobson (621m). Wir haben Glueck mit dem Wetter: Sonne und tolle Aussichten! Am Wegesrand stehen immer wieder Schilder vom Department of Consideration (DOC), die vor unsicheren Wegen bei Regen warnen.
Auf den Gipfel tragen wir uns ins Logbuch ein. Die letzen Wanderer waren drei Tage vor uns hier. Die Aussicht ist - natuerlich - phantastisch. In weiter Ferne kann man das Festland mit Aucklands Kueste erkennen (88 km suedwestlich von der Insel). Nach einer kurzen Rast geht es weiter. Ein Stueck weiter entdecken wir am Hang zwei Maenner, die seit vier Wochen an einer neuen DOC-Huette werkeln. Alle Materialien werden mit dem Helikopter hier raufgebracht. Wasser kommt aus Tanks. Eine gute Gelegenheit, unsere leeren Trinkflaschen aufzufuellen. Jetzt geht es nur noch bergab, teils durch sumpfiges, teils durch wuestenartiges Gebiet. Dann stehen wir ploetzlich wieder mitten im Regenwald. Nach gut fuenf Stunden erreichen wir die "Hot Springs", man kann die heissen Quellen schon von weitem riechen. Die Badewannentemperatur lockert unsere angespannten Muskeln. Auf dem Rueckweg ist nur noch "Easy Walking" und wieder "Hitchhiking" angesagt.

Hoehenluft geniessen

und die Aussicht

auf dem Weg zum Gipfel ueber Stock und Stein

geschafft!

auf dem Weg zu den heissen Quellen

da!
Malcom begruesst uns mit der Frage, ob wir Muscheln moegen. Wir moegen. Bewaffnet mit einem Eimer wagen wir uns bei Ebbe an den Felsen auf unseren "Hausstrand". Wir spielen Muschelsucher. Sehr Rosamunde-Pilcher-like. Die gruen-schwarzen Miesmuscheln lassen sich ganz einfach vom Stein "pfluecken". Dazu gibt es fangfrischen Lemonfisch. Wir speisen wie Gott in Frankreich.

Muscheln am Fels

und auf dem Teller. Lecker!

Am naechsten Tag fahren wir mit Graham und seinem Mietwagen ueber die Insel. Das erste Mal nehmen wir aktiv am Linksverkehr teil. Wie ein Fahrlehrer mahnt er uns zwischendurch, nicht zu nah am linken (!) Strassenrand zu fahren. Dort geht es steil runter, wir sind auf der Kuestenstrasse unterwegs. Zwischen Blinkersuchen und mit-Links-Schalten geniessen wir die schoenen Aussichten auf einsame Sandstraende. Bei der Awana-Bay versuchen wir uns im Boogieboaren (liegendes Surfen). Todesmutig werfe ich mich aufs Board und paddele raus aus der Brandung. Ploetzlich befaellt mich Panik: Wie komme ich wieder zurueck? Die Wellen sind wirklich hoch. Schliesslich schaffe ich es durch wildes mit-den-Armen-Rudern, eine gute Welle zu erwischen. Das macht richtig Spass! Jetzt habe ich den Dreh raus. Trotzdem druecken mich die Wellen zwei Mal erbarmungslos so weit runter, dass ich sogar das an meinen Handgelenk befestigte Board verliere. Wie ein Stueck Treibholz werde ich an den Strand gespuehlt.

hohe Wellen erfordern viel Konzentration

Boogieboarding
  Samstag Abend wird im Sportsclub Halloween und 20-jaehriges Bestehen gefeiert. Die Insel ist im Partyfieber. Mit viel Motivation und wenig Zutaten wollen Jeannette und ich unseren Beitrag zum "Bring-your-own-Buffet" leisten. Trotz guter Rezeptidee gehen unsere Bananen-Marmeladen- und Apfel-Thymian-Pfannkuchen grandios in die Hose. Der Teig aus der Flasche schmeckt nur nach Backpulver und die Pfannen aus der Hostelkueche moechten unsere Pancakes nicht wieder hergeben. Nach drei Versuchen geben wir uns geschlagen. Man muss wissen, wann man eine Schlacht verloren hat.

Im Sportsclub bestellen wir ein Pint von dem hiesigen (sehr waessrigen) Bier und probieren uns durch die verschiedenen Gerichte. Eine extra aus Auckland gebuchte Band spielt neuseelaendischen Rock. Die Insulaner stuermen augenblicklich die Tanzflaeche. Ich bestaune die enge Zusammengehoerigkeit der Alt-Hippie-Gesellschaft und deren Gastfreundlichkeit. Die Miniburger schmecken wunderbar nach "Irgendwo in Iowa".

Der Abschied von der Insel fuehlt sich komisch an: wie der Abschied von einer fernen Welt, nicht fremd, einfach nur sehr weit weg. Auckland begruesst uns fuenf Stunden spaeter mit einem tollen Sonnenuntergang, so als wolle es sagen "Hey, ich hab auch was zu bieten!"